Angststörung wieder da

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  • Hallöchen!
    Ich hoffe das ist der richtige Bereich hier, auch wenn hier lang keiner mehr geschrieben hat. Aber vielleicht liest das hier ja jemand.
    Keine Ahnung wo ich anfangen soll zu erzählen, ich will euch nicht mit meiner ganzen Lebensgeschichte nerven. Ich war noch nie ein besonders sozial auffälliger Mensch, ich würde sagen, dass ich eher introvertiert bin und daher war ich nie ein großer Partygänger oder Liebhaber von großen Menschenansammlungen. Aber um die Zeit herum als ich mein Abi gemacht habe wurde es sehr viel schlimmer. Ich hatte richtig Angst auf unsere Abipartys zu gehen, hatte regelmäßig Anfälle bevor ich zu irgendeinem dieser Events musste und am schlimmsten war der Abiball. Gleichzeitig verstärkten sich auch alle anderen Ängste, die ich vorher hatte (Spinnen, Schlangen, Fliegen, so das übliche) und es kamen neue, manchmal total unverständliche Ängste hinzu. Ich konnte zum Beispiel nicht mehr ICE fahren, weil der Zug zu wenig Haltestellen hatte und ich Panik hatte, nicht mehr aussteigen zu können, wenn ich plötzlich raus müsste.
    Ich hab dann nach langem hin und her entschlossen mir Hilfe zu suchen, hab ich dann aucch gemacht, mein Hausarzt hat mich überwiesen zum Psychiater usw. Hab dann auch nach kurzer Wartezeit eine Therapie angefangen mit medikamentöser Unterstützung und es ging mir sehr schnell sehr viel besser. So viel besser, dass ich in der Therapie auf meinen Wunsch hin Entspannungstechniken erlernt habe damit ich die Medikamente verringern konnte, ohne dass es mir schlechter ging. Ich nehme ungern Medikamente und vor allem wollte ich nicht auf Psychopharmaka angewiesen sein für den Rest meines Lebens. Aber es ging, am Ende konnte ich die Medikamente dann sogar ganz absetzen und es ging mir gut. Viele Jahre lang konnte ich trotz dieser Vorgeschichte gut leben, ich hab den Schritt gewagt aus meiner Heimatstadt wegzuziehen, habe neue Leute kennengelernt und Freundschaften geschlossen, bin sogar etwas häufiger ausgegangen als früher und konnte meinen Abschluss an der Uni machen.
    Alles war gut bis letztes Jahr. Da kam ich in die Situation, dass ich sehr viel arbeiten musste, viel mehr, als gut gewesen wäre. Das Warum ist jetzt nicht so entscheidend, es ließ sich einfach nicht vermeiden. Über diese enorme Arbeitsbelastung habe ich vergessen regelmäßig meine Rituale anzuwenden um mich zu beruhigen. Ich bekam wieder Panikattacken, erst das übliche, immer wenn ich unter Leute musste, dann auch vor anderen alltäglichen Situationen. Ich war irgendwann wieder genau das Wrack das ich nach meinem Abi gewesen war. Anfang des Jahres wurde dann alles zu viel und ich hätte fast einen Suizidversuch gehabt, Gott sei Dank hat man mich davon abgehalten.
    Ich hab mich seitdem sehr auf mich konzentriert, versucht wieder auf die Beine zu kommen. Hab wieder angefangen Yoga zu machen und meine Atemübungen jeden Tag zu machen, aber es bringt nicht so viel wie früher. Ich kann mittlerweile wieder unter Menschen, aber es strengt mich sehr an und auch sonst kämpfe ich jeden Tag mit meinen Ängsten. Das ist gerade zeitlich echt blöd da ich einen neuen Job suche und das an sich ja schon ein ganzes Set an Ängsten mitbringt. Wenn ich dann auch noch jeden Tag Angst habe das Haus zu verlassen macht es das nicht einfacher. Finde ich keinen Job kommen die Existenzängste wieder hervor. Es ist eine fürchterliche Spirale aus Angst in der ich momentan stecke. Ich habe seit dem viele Tipps aus dem Internet ausprobiert, Meditation, Entspannungstees, homöopathische Tropfen und alles mögliche, aber nichts hilft mir wirklich. Ich will nicht wieder Medikamente schlucken müssen und in Therapie kann ich auch nicht zurück. Weiß jemand, was ich machen kann? Wieso helfen meine üblichen Techniken nicht mehr? Kann es sein, dass ich mich zu sehr daran gewöhnt habe und sie ihre Nutzen dadurch verloren haben? Falls das hier einer liest und einen Tipp hat wäre ich sehr froh. Ich weiß einfach nicht mehr weiter. :(

  • Hallo Fabelheim,


    warum kommen Medikamente nicht in Frage? Nach meiner persönlichen Erfahrung verfestigen sich solche Anngsterkrankungen, wenn man sie zu lange mit sich rumschleppt. Lieber frühzeitig und auch lange genug mit einem SSRI-AD und Therapie gegensteuern, bevor man hinterher nur noch von seinen Ängsten regiert und der eigene Handlungsspielraum zunehmend kleiner wird. Sorry, dass ich gerade nur so knapp schreibe.

  • Hallo bloona, danke für deine Antwort!!
    Ja, die Frage ist prädistiniert dazu, dass ich doch noch meine ganze Lebensgeschichte auspacke, haha.... Einfach gesagt: Ich möchte nicht von einer Substanz abhängig sein. Vorübergehend bin ich bereit Medikamente zu nehmen, aber nicht dauerhaft, das Risiko einer Abhängigkeit ist mir viel zu hoch. Ich habe da schlechte Erfahrungen gemacht und hab mir geschworen, dass ich es bei mir niemals so weit kommen lasse. Was du schreibst, stimmt. Ich habe manchmal das Gefühl, dass mein Leben von meinen Ängsten bestimmt wird und ich nicht so leben kann wie ich will. Danke, dass du mir geschrieben hast.

  • Hi Fabelheim,
    erzähl ruhig mal deine Lebensgeschichte.
    Bei mir war es so, dass ich von Kindheit an stark unter Sozialphobie, Angstzuständen und Panikattacken gelitten habe. Inzwischen bin ich 46 und empfinde mein Leben rückblickend als Quälerei, bei der ich durch die Ängste wesentliches unwiederbringlich verpasst habe. Das erste Mal beim Arzt war ich wegen Panikattacken mit 22. Wenn ich von da an die richtigen Medikamente und Therapien genutzt hätte, wäre mein Leben vielleicht doch um einiges leichter gewesen und ich würde mich heute nicht so dermaßen am Ende fühlen. Deswegen möchte ich nochmal nachfragen was es mit deiner Abneigung gegen Medikamente auf sich hat? Antidpressiva machen tatsächlich nicht abhängig. Je nach Sorte kann es zwar zu mitunter echt unangehnehmen Absetzsymptomen kommen (Venlafaxin ist z.B. echt fies beim Absetzen, reine SSRI sind da aber meist netter...), aber dies ist nur vorübergehend und lässt sich in Griff bekommen. Ist es das wovor du Angst hast? Oder denkst du bei Medikamenten an Benzodiazepin? Da würde ich dir natürlich zustimmen, die machen schnell und tatsächlich abhängig. Wenn wir aber bei den Antidepressiva wie z.B. Citalopram oder Sertralin, etc. bleiben, dann können diese sehr gut bei Ängsten helfen ohne abhängig zu machen. Ob man sie denn ein Leben lang einnehmen muss, bleibt ja vielleicht noch abzuwarten. Aber selbst wenn - so what? Wenn du eine Schilddrüsenerkrankung hättest, müsstest du auch dauerhaft Medikamente nehmen und würdest das vermutlich als vernünftig akzeptieren. Aber ich rate hier natürlich nur rum.
    Ich hoffe einfach, dass du nicht zuviel weitere Zeit deines Lebens, mehr unter der Angsterkrankung leiden musst, als unbedingt nötig (herrje, was klingt der Satz bescheuert...,aber ich hoffe du verstehst was ich meine).

  • Moin,


    Zum Thema Angst.


    Oft ist das Urvertrauen gestört, weil irgendwas traumatisches in der Kindheit passiert ist.


    Manche Menschen finden Halt im Glauben. Ich meine jetzt keine Kirche, ich meine Glauben.


    Wenn ich daran glaube, dass alles was passiert einen Sinn hat, kann ich entspannter leben und muss nicht dauernd Angst haben.


    Hast Du Dich mit dem Thema schon beschäftigt?

    Man ist dort daheim, wo man sich wohlfühlt.<3

  • Hallo,


    wenn du keine Medikamente nehmen möchtest, zumindest nicht langfristig, könntest du versuchen, mit kurzzeitiger Medikation (oder sogar ohne, wenn möglich) ganz kleinschrittig vorzugehen. Sagen wir mal, du würdest mit dem ICE fahren anfangen: Dann könntest du erstmal hingehen, dich hinstellen und dich gedanklich auf die Fahrt vorbereiten. Wenn du dich noch gut fühlst, steigst du ein, wenn das schon zu starke Angst oder Anspannung auslöst, gehst du wieder beruhigst dich, merkst, dass nichts passiert ist, und versuchst es an einem neuen Tag weiter. Einmal drin, kannst du erstmal nur die erste Haltestelle fahren, dann zwei, dann drei, dann bis zu deinem Ziel, je nach dem, was du schaffst. Setz dich am Besten direkt an den Ausgang, dann verpasst du, wenn der Zug hält, diesen bestimmt nicht. Du kannst dir auch einen Fahrplan mitnehmen und aus dem Fenster schauen, um sicher zu gehen, dass du am richtigen Ort aussteigst, usw.
    Das wäre jetzt mal dieses Beispiel, ähnlich kannst du es mit vielen verschiedenen Dingen probieren. WIchtig ist, dass du dir der Fortschritte bewusst bist und dessen, dass nichts passiert! Wenn du vor dem eigentlichen Ziel aufhören musst, ist das nicht schlimm - dann versuchst du es halt noch mal, gehst nach Hause und entspannst dich.
    So habe ich es auch geschafft, schon einiges zu schaffen; anfangs konnte ich überhaupt nicht alleine vor die Haustür gehen, jetzt kann ich bestimmte Wege zum Beispiel ganz allein rausgehen oder in der Bahn fahren.
    Es ist auf jeden Fall möglich, du konntest es schließlich schon mal; also schaffst du es bestimmt auch wieder.


    LG, keiner909

    Und zieh'n die Vögel fort, schau ich ihnen nach,
    Und bleib alleine hier, ich bleib alleine hier!


    (Callejon - Gott Ist Tot)