Nicht arbeitsfähig --- für die Gesellschaft wertlos

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  • Hallo,


    ich bin nichts arbeitsfähig es fällt mir schwer das zu akzeptieren und ich denke ich werd meine Zeit dazu brauchen das zu akzeptieren es gelingt mir tag für tag mehr aber ich brauche zeit. Wie geht es euch damit?
    Ich habe vorher gearbeitet und hatte Struktur nun fehlt mir die Arbeit und die Struktur irgendwie.
    LG Forever

  • Hallo Forever,


    das kann ich gut verstehen, so ganz plötzlich rauszufallen aus dem Berufsleben ist wirklich ein krasser Umbruch im Leben. Damit muss man erst mal klar kommen. Vielen Vollzeitarbeitenden die von heute auf morgen in die Altersrente geschickt werden geht es ja auch so. Da gibt es doch sogar diesen lustigen Film von Loriot drüber "Pappa ante portas".
    Also ich z.B. bin so langsam nach und nach aus dem Berufsleben ausgestiegen wegen zunehmender Arbeitsunfähigkeit und bin jetzt seit einigen Jahren zuhause. Da war es natürlich leichter und nicht so ein plötzlicher Umbruch.


    Wie lange arbeitest du denn schon nicht mehr?
    Und was belastet dich daran grade am meisten?
    Ist es wirklich das schlechte Gewissen der Gesellschaft gegenüber?


    In letzterem Fall solltest du dir immer sagen, dass es ja weder Selbstverschulden noch Faulheit ist dass du wegen deiner Probleme grade nicht mehr arbeitsfähig bist. Schließlich leidest du ja auch unter deinen Problemen und machst das alles nicht zum Spaß. Von daher kannst du dein schlechtes Gewissen wirklich mal in die Tonne kloppen.


    Das wirklich schwierige an so einer Situation ist eigentlich eher, nicht so wegzugammeln wie es vielen Langzeitarbeitslosen ja immer geht. Man kennt ja diese unschönen Beispiele, aber ich kenn z.B. auch viele Leute die schon ganz lange zuhause sind und noch kein bisschen vergammelt und weggeschlafft sind.
    Man muss einfach in der Lage sein dass wenn die äußeren Strukturen wegfallen, sich selbst neue eigene Strukturen im Alltag zu schaffen.
    - Dazu zählt ein möglichst geregleter Tagesablauf (möglichst immer zur gleichen Zeit aufstehen, Essen, schlafen gehen usw.)
    - Sich für jeden Tag was bestimmtes vornehmen was man erledigen muss. Vor allem regelmäßig raus unter Menschen gehen, das ist ganz wichtig.
    - Sich Hobby und eigene Projekte suchen die möglichst umfangreich, aufwendig, zeitintensiv sind (möglichst was soziales)
    - Freundschaften und soziale Kontakte zu anderen Menschen pflegen (sehr wichtig) z.B. Vereine, Stammtische, Sportgruppen etc.
    - ein Garten ist auch zu empfehlen wo man immer irgendwas werkeln kann.
    - und wenn geht sich einen Minijob oder ehrenamtliche Tätigkeit zulegen.


    Letzteres ist eigentlich das aller beste. Weiß ja nicht als was genau du jetzt Arbeitsunfähig bist, aber bei der vollen Erwerbsminderungsrente z.B. kann man auch noch bis zu 450 Euro im Monat dazu verdienen, da kann man schon einiges machen, ganz ohne Druck kann man sich da was kleines passendes für sich raussuchen. Ich mach das auch und bin da sehr dankbar für, so hat man das Gefühl nicht ganz abgeschoben zu sein.
    Eine Zeit lang hab ich auch mal ehrenamtlich bei der Tafel mitgearbeitet, oder im Tierheim. Die freuen sich wirklich sehr über Leute die ihnen helfen kommen.


    LG
    Eissturmvogel

  • Hallöchen,


    warum solltest du für die Gesellschaft wertlos sein, nur weil du arbeitsunfähig bist?


    Schau, ich bin auch seit einiger Zeit krankgeschrieben, da es mir nicht so toll geht. Leider hat man das nicht auf der Stirn stehen, und man wird von manchen Leuten als faul und nicht arbeitswillig angesehen, denn eine gebrochene Hand oder Fuß sieht man ja sofort, nur wenn es eine innerliche Krankheit ist, sieht es keiner. Ich habe aber gelernt, solchen Leuten aus dem Weg zu gehen, da sie nur ihre Sicht haben, und darüber nicht weiterschauen wollen.


    Es ist schon klar, daß es recht angenehm ist, länger zu schlafen und gewisse andere Dinge, die man im Berufsleben nicht machen kann, zu machen. Aber man sollte diese Dinge nicht allzusehr einschleifen lassen, und einen gewissen strukturierten Tagesablauf sich zu recht legen, und zwar einen, der einen persönlich guttut, und sich auch einen gewissen, kleinen Plan machen, was man morgen erledigen möchte und was nicht. Und wenn man den Plan einmal nicht erreicht hat, so geht die Welt auch nicht unter.


    Ich wünsche dir wirklich von ganzen Herzen alles Liebe und Gute,


    ganz liebe Grüße


    Streamliner

  • Hallo,


    ich bin nichts arbeitsfähig es fällt mir schwer das zu akzeptieren und ich denke ich werd meine Zeit dazu brauchen das zu akzeptieren es gelingt mir tag für tag mehr aber ich brauche zeit. Wie geht es euch damit?
    Ich habe vorher gearbeitet und hatte Struktur nun fehlt mir die Arbeit und die Struktur irgendwie.
    LG Forever

    wenn man bedenkt für was und wen die Regierung die Steuergelder ausgibt, so kann man ohne schlechtes Gewissen finanzielle Hilfe annehmen, schliesslich ist eine psychische Erkrankung/Behinderung nicht mut-und böswillig selbst verursacht.
    Leider lassen manche Menschen ihren Ärger an den Schwächsten der Schwachen aus, dass Steuergelder für schwachsinnige Kriege von schwerkranken psychopathischen Regierungen ausgegeben werden und Hilfen für deren geschädigte Bevölkerung,...

  • Hallo Imka,


    ja gut derzeit ist es bei mir eher im Vordergrund ne Sehnenscheidenentzündung, LWS und HWS Syndrom mittlerweile beides chronisch und halt paar psychische Sachen kommen noch dazu.
    Aber du hast irgendwo echt recht mit dem was du schreibst.
    Ich könnte ab Januar wieder arbeiten aber meine Entzündung in der Hand ist durch Therapie erstmal schlimmer geworden.


    Vielen Dank Quantique


    LG Forever

  • Ich bin seit 3 Jahren raus aus dem Erwerbsleben. Verkraftet habe ich es bis heute nicht. Genau genommen gebe ich mich mehr und mehr auf.


    Eine Hilfe bin ich dir damit vermutlich auch nicht. Aber auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass mich die Gesellschaft durch meine Erwerbsunfähigkeit ausgrenzt. Mal als Beispiel:


    -Ich werde bei 80% der Ärzte nur gegen Vorkasse behandelt, weil man befürchtet, dass ich als Sozialfall die Rechnungen nicht bezahlen kann (-was auch stimmt). Geld ist also wichtiger als ein Menschenleben.


    - Ich versuche immer wieder ein Ehrenamt zu machen. Sofort wird mir jedes Mal unterstellt, dass ich dann doch auch richtig arbeiten gehen kann, wenn ich es ehrenamtlich kann. Dabei wird völlig übersehen, dass ich maximal 10 Stunden pro Woche ehrenamtlich arbeiten kann und das es ein normaler Arbeitgeber eben nicht mitmacht, wenn ein Angestellter kommt und geht wie er eben gerade kann.


    -Ich mache viel Sport. Das hilft mir meinen Tag auszufüllen. Da wird mir auch jedes Mal unterstellt, wer Sport machen kann, kann auch arbeiten gehen. Anscheinend ist man der Meinung, dass nur eine Krankheit mit starken Schmerzen eine Rechtfertigung für eine Erwerbsunfähigkeit ist, ich habe jedoch keine Schmerzen. Dass heißt mittlerweile schon, aber lieber schleppe ich mich mit Schmerzen zum Sport als den ganzen Tag zuhause rumzusitzen.


    -Dann natürlich die ständigen Vorwürfe "Du lebst ja von meinen Steuergeldern". Ja sorry, kann ich auch nichts dafür.

    Kennt ihr Laura die Blaubeere schon?

  • Ich frage mich immer: Wer ist bitte diese "Gesellschaft" dass man ihr etwas schuldig wäre? Zahlen die Leute aus Nächstenliebe den Teil der Steuern der für Sozialhilfe verwendet wird? Die meisten: wohl kaum. Sie sind dazu gezwungen, durch die Gesetze. Und dennoch meinen sie dass eine Tat, die nicht mal aus Nächstenliebe geschieht, es rechtfertigt andere Menschen zu diskriminieren.


    Das ist wie Fremdenfeindlichkeit gegen Ausländer, nur im Inland und gegen die eigenen Mitbürger. Beides nicht besser als das andere, aber das eine mehr verpönt als das andere. Wieso???


    Dieser Hass, resultierend aus Unzufriedenheit mit seinem eigenen Leben, immer auf der Suche nach einem Vorwand um ihn an anderen Menschen auszulassen. Einfach nur widerlich.


    Ich kann nur jedem empfehlen dass, sollte er arbeitslos/arbeitssuchend sein, dass er das nur engen Freunden erzählt. Nicht weil es etwas schlimmes wäre, nein. Sondern weil asoziale Menschen sich wie Raubtiere auf derartige Vorwände stürzen um sich aufzugeilen.


    Immer so wenig wie möglich Angriffsfläche bieten.

  • Gottseidank leben wir in einer Gesellschaft, die sich mit Steuermitteln um die Alten, Schwachen, Arbeitslosen und Kranken kümmert. In fast allen anderen Ländern tut der Staat viel weniger bis fast gar nichts. Ich selbst habe von diese Sozialstaat schon profitiert, mit mehrmals monatelangem Krankengeld, und ich zahle auch gerne meine Steuern für diesen Sozialstaat. Wobei das denke ich viele Leute tun. Der soziale Friede ist ein hohes Gut.


    Das Thema Selbstverantwortung, das z.B. in USA eine große Rolle spielt, wird bei uns in Europa aber eher klein geschrieben. Generell bin ich dagegen, das Thema Selbstverantwortung "unter den Teppich zu kehren" und alles der Gesellschaft in die Schuhe zu schieben. Das ist falsch, denn: wenn ich einen Sündenbock habe, dem ich das in die Schuhe schieben kann, dann ist das bequem und ich entdecke möglicherweise nicht die Möglichkeiten, mit denen ich selbst mit eigenen Kräften aus meinem Schlamassel kommen kann.


    Es ist immer die Herausforderung einer Gesellschaft, Fürsorge und Selbstverantwortung auszubalancieren.


    Aber: als psychisch Kranke können wir krankheitsbedingt nicht die volle Selbstverantwortung zu unserem Nutzen wahrnehmen. Es ist gut, dass unser soziales Netz uns hier teilweise auffängt. Dass es einzelne Asoziale gibt, die sich aufgeilen: was solls, das ist ihr Problem, nicht meines. Wenn wir aber von dem Netz aufgefangen werden, dann ist es schon unsere Verpflichtung als Psychos, im Rahmen unserer Möglichkeiten schrittweise unsere Selbstverantwortung zu stärken und auszubauen. Die Tipps die teilweise hier in diesem Faden dazu gegeben werden, sind prima.

  • Ja das stimmt. Was hier die Versorgung von Kranken, Arbeitslosen und Rentner angeht geht es uns gut. In Marokko z.B. und auch in Italien ist es so das wenn man nicht arbeitet bekommt man nur wenn man krank ist Unterstützung also sprich Krankengeld oder so wenn man nicht arbeitet hat man dort auch kein Geld. Das finde ich sehr krass denn wenn man wirklich physisch oder psychisch bedingt nicht arbeiten kann dann hat man recht auf Hilfe. Aber wie ja auch viele Menschen hier aus dem Ausland Unterstützung bekommen finde ich krass, ja man sollte helfen aber das jemand wo hier gearbeitet hat weniger Geld bekommt wie ein Flüchtling ist krass aber darüber könnte man stundenlang diskutieren Wenn ich ins Ausland gehe und ich habe dort nicht gearbeitet und Steuer bezahlt dann bekomme ich auch nichts. In vielen Ländern kostet die Krankenversicherung 30.000 Euro oder so. Wenn man dort nicht krankenversichert ist muss man Behandlungen selbst bezahlen. Ich meine bei mir ist es so ich bin nur eingeschränkt arbeitsfähig für meine Hausärztin, für die Psychiatrie bin ich arbeitsunfähig.


    Aber ich sage mir wie du auch ich habe Steuergelder bezahlt dann kann ich diese auch in Anspruch nehmen. Ich wurde so erzogen, dass ich auch für mein Brot arbeite daher kommt das halt.
    Wiederrum denke ich mir arbeite ich seit ich fünfzehn Jahre alt bin das sind dieses Jahr neun Jahre. Ich habe Ausbildung gemacht, in meinem erlernten Job gearbeitet, FSJ, in der Produktion gearbeitet, als Verkäuferin in einer Bäckerei gearbeitet. Da kann ich ja auch mal Hilfe in Anspruch nehmen aber es kommt halt manchmal so das schlechte Gewissen hoch.
    Bin auch gerade dabei ne Reha zu beantragen aber ob das klappt weis ich nicht. Mal sehen ob sie für mich Geld übrig haben. Das macht ja die Rentenversicherung.


    Den ich habe einige Diagnosen die behandelt werden müssen nicht nur die Psyche auch mein Körper.


    LG Forever

  • Ich zb. kann bestimmte Arbeiten nicht ausführen. Ich behaupte aber dass ich nicht ich krank bin, weil ich das nicht kann, was andere vielleicht können, sondern dass ich einfach anders bin. Völlig wertungsfrei. Und dass es nicht meine Schuld ist dass ich das nicht kann, sondern die der Gesellschaft, da sie nicht so beschaffen ist, wie ich sie brauchen würde.


    Nicht ich passe nicht in die Gesellschaft, die Gesellschaft ist einfach nicht weit entwickelt genug, wenn sie nicht auch für Leute die anders sind geschaffen ist.


    Nicht ich bin fehlerhaft, sondern die Gesellschaft. Anders sein ist genau so gut wie alles andere. Wenn die Gesellschaft weiter fortgeschritten ist dann wird anders sein was völlig normales sein.

  • Hi JanisBlueberry,


    wenn dir diese Sichtweise hilft, gut zu leben, dann ist das OK.


    Aber du stellst dich quasi selbst in den Mittelpunkt des Universums bzw. der Gesellschaft, und das Universum muss zu dir passen und nicht umgekehrt. Ansonsten ist das Universum fehlerhaft...


    Bei Lichte betrachtet brauchst aber auch du Wohnung, Nahrung, Wärme im Winter.
    Und das gibt die die Gesellschaft, jemand muss die Nahrung anbauen, die Hütte bauen, das Heizmaterial heranschaffen.
    Wenn du das alles nicht hättest, würdest du frieren und hättest Hunger.
    Und dein Weltbild würde dann schnell zusammenbrechen, du würdest merken, dass du die Gesellschaft doch brauchst, und sie so fehlerhaft gar nicht ist...


    Was ich gut finde an deinem Weltbild, dass du deinen Zustand, dass du (bestimmte Arbeiten) nicht arbeiten kannst, nicht negativ bewertest.
    Das ist vollkommen richtig und genau die richtige Einstellung.


    Aber soviel Realitätssinn solltest du schon haben, dass du unsere jetzige Gesellschaft, die dir dein Auskommen und Überleben sichert, auch wenn du nicht arbeitest, nicht als falsch und fehlerhaft abwertest.


    Liebe Grüße
    Sunit

  • @ JanisBlueberry
    Also ich denke wenn man krank ist egal, ob psychisch oder physisch ist man nicht wertungsfrei man ist wertvoll, denn wir brauchen jeden Menschen auf dieser Erde von Gott ist er gekommen. Bauarbeiter sonst hätten wir keine Häuser, Müllabfuhr, Verkäufer von alldem was wir Tagtäglich benötigen, Ärzte. Wir brauchen hier jeden Menschen auf der Erde und ich fühle mich auch manchmal nicht dazugehörig aber wenn es diese vielen Menschen nicht gäbe die arbeiten könne ich nun gerade nicht daheim sein und alg1 beziehen denn dann hätte ich ein Problem ich wäre auf der Straße ich sage dazu ich bin dankbar das der Staat mir mindestens ein bisschen Geld gibt zum leben. Und egal was ist zu jeder Zeit können wir neustarten es liegt alles in unserer Hand und vorallem in unserem denken.


    Jaa mehr fällt mir nicht dazu ein das ist nun auch bezogen auf Sunit nur etwas anders ausgedrückt.
    Wir sind ALLE weertvoll egal ob arbeitsfähig, beschränkt arbeitsfähig, arbeitsunfähig, berentet.


    in diesem Sinne viel kraft für alles das Leben ist schön von einfach war nie die rede.


    LG Forever

  • Ja, dein Kommentar trifft es besser, Forever.
    Ich habe es vielleicht zu pointiert ausgedrückt. Klar sind wir in dieser Gesellschaft eingebettet und ein Stück von ihr abhängig, aber der wichtigste Punkt ist:


    Jeder Mensch ist in sich wertvoll und liebenswert, auch wenn er gar nichts leistet.
    Nur, weil er ist.
    Weil: die Menschen, die ich liebe, liebe ich aus vielen Gründen, aber nicht wegen ihrer Leistung.
    Und so ist es wohl bei allen Menschen


    Und umgekehrt ist es genauso.
    Ich werde nicht wegen meiner Leistung geliebt

  • Nein nein, ich meinte das genau so wie ihr beide, nur habe ich mich schlecht ausgedrückt. Ich wollte nur ein wenig auf die Sache anspielen dass man die Neigung hat alles was nicht exakt dem Durchschnitt entspricht sofort als pathologisch und damit krankhaft abzustempeln, auch wenn dazu wissenschaftlich gesehen oft überhaupt keine Notwendigkeit zu besteht. Es gibt ja auch den Begriff der Normvariante, wenn also irgendetwas an einem anders ist als es bei den meisten, es jedoch nicht krankhaft ist.


    Es geht mir einfach darum dass die Gesellschaft weiter (sie ist dabei und mehr als noch vor einigen Jahrzehnten, aber es kann noch besser werden) Andersartigkeit akzeptiert. Nicht nur in den Gesetzen, sondern tatsächlich auch in den Köpfen der Menschen.


    Das einzige was wirklich krankhaft ist, ist die Neigung der Menschen alles was anders ist als krankhaft einzustufen. Denn Vielfalt ist natürlich und die Verleugnung dieser Tatsache ist es nicht.

  • Ich sehe es auch so, dass jeder Mensch wertvoll ist, unabhängig von seiner Leistung. Auch ich habe in meinem Umfeld Menschen, die mich nicht nach meinem Beruf und Kontostand beurteilen. ABER, die Mehrheit denkt anders, so jedenfalls meine persönliche Erfahrung. Je höher der Berufsstatus, desto mehr bist du wert für denjenigen. Wie in einem alten Werbespot "mein Haus, mein Auto, mein Boot". Einer der allerersten Fragen, die ich gestellt bekomme, wenn ich jemand Neues kennenlerne ist "was machst du beruflich". Also werde ich dem Moment schon in eine Kategorie eingeordnet. Dann wird geprüft, ob es sich lohnt, sich mit mir abzugeben (praktisch mein Marktwert). Die Persönlichkeit scheint dann erstmal nebensächlich zu sein... Ich meide z.B. Klassentreffen, weil da jeder mehr sein will als der andere. Sofort wird nach dem Job gefragt :rolleyes: . Ich habe Abitur und studiert, arbeite aber in einem "einfachen" Beruf. Dann war ich Luft, während die Herren Bänker, Bürgermeister und Doktoren stets zusammmenhockten, war jeder, der vermeintlich weniger geleistet hat, Luft. Was hab ich mir schon Sprüche anhören dürfen, die mich wertlos fühlen ließen. Mir persönlich ist es piep-wurscht-egal, was mein Gegenüber macht oder auch nicht. Noch ein Beispiel: mein Vater war mal beruflich sehr erfolgreich. In der Zeit hatte er viele Freunde. Nachdem er Bankrott war, waren alle diese "Freunde" weg, für immer. Auch auf seiner Beerdigung war niemand von denen zu sehen :( . Haste was, dann biste wer............ Entschuldigung, aber manchmal macht mich die Leistungsgesellschaft wütend und traurig.

  • Naja, aber man entscheidet ja selbst, mit wem man sich umgibt, oder ? Ob mit oberflächlichen A..Löchern, die dich nur nach Oberflächlichkeiten beurteilen (mein Haus, mein Auto, mein Boot) oder mit anderen, denen man sich tatsächlich gegenseitig(!) etwas zu geben hat und ihnen etwas wert ist (ja, sowas gibts tatsächlich).


    Als bei mir meine Sehnenscheidenentzündung so richtig ausbrach (um mal auf das Thema zurückzukommen), war ich jung und habe im Büro gearbeitet. Schreiben, schreiben, schreiben ... Plötzlich konnte ich das aber nicht mehr O| Es war mir mega peinlich, allein diese Fragerei von Vorgesetzten etc. wann ich denn wieder voll zur Verfügung stehen würde ... wenn ich es doch auch nicht wusste, k.A. es wurde ja nix besser mit dem Arm. Aber ich erinnere mich, dass ich mich da sehr schlecht gefühlt hab, weil irgendwie nutzlos bzw. eingeschränkt :( 
    Ich habe meinen Beruf als Schreibkraft schließlich aufgegeben und was besseres gemacht beruflich ;) habe einige Jahre mich dem Dienst am Menschen verschrieben (im Krankenhaus, später mit Kindern). Da brauchte ich nicht mehr soviel zu schreiben. Und wenn ich doch mal wieder geschrieben habe (insbesondere mit der Hand), dann habe ich die Schmerzen mit Sport und so was ganz gut auffangen können.
    Und das Sozialamt hab ich auch mal verklagt. Nachdem die meinten, ich hätte ja nichts mit dem Arm und wolle nur nicht arbeiten (ist für nen Arzt nämlich ganz schwer zu erkennen, diese Entzündung). Ich habe vor Gericht Recht bekommen, aber erst nachdem ein Gutachter mich ganz genau unter die Lupe genommen hatte :search: Und dann bin ich der Gesellschaft mal zur Last gefallen, aber nicht lange, wie gesagt hab halt keine einseitig belastenden Dinge mehr mit den Fingern gemacht ;)


    Schönen Gruß

  • Naja, aber man entscheidet ja selbst, mit wem man sich umgibt, oder ? Ob mit oberflächlichen A..Löchern, die dich nur nach Oberflächlichkeiten beurteilen (mein Haus, mein Auto, mein Boot) oder mit anderen, denen man sich tatsächlich gegenseitig(!) etwas zu geben hat und ihnen etwas wert ist (ja, sowas gibts tatsächlich).

    Stimmt! Und ich habe mich gegen die oberflächlichen entschieden :D . Ich wollte damit auch eigentlich nur zum Ausdruck bringen, dass dieses Schubladendenken in der Gesellschaft leider weit verbreitet ist (also wer warum etwas wert sein soll und umgekehrt) und dass das, naja, bedenklich ist. Auf der anderen Seite ist es natürlich schön zu sehen, dass es auch genug gibt, die bodenständig gestrickt sind.
    In diesem Sinne :-e

  • Niemand ist wertlos nur weil er nicht arbeitet. Nur Vollidioten denken so.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Mognu ()